Nautic Young Stars 2011

Wir waren dabei und haben gewonnen ...

... an Erfahrung!

Eine Crew der Segel-AG an der BMMG trat an, auch mal Regattaluft mit Fahrtenyachten auf der Ostsee zu atmen. Nicht mit dem Willen, dort zu gewinnen. Das wäre zu vermessen, angesichts von sehr erfahrenen Regattacrews, die dort auf sehr schnellen Yachten unterwegs waren. Aber auch nicht, um als letzter ins Ziel zu kommen, den Anspruch hatten wir schon. Vor dem Schiff des SCCR ins Ziel zu kommen, der Wunsch war vorhanden. Es war aber halt Wunschdenken, die Crew des SCCR ersegelte unter Skipper Friedhelm Müller und Co-Skipperin Bärbel Stöcker in unserer Klasse einen hervorragenden 9. Platz und das haben wir neidlos honoriert.
 

Donnerstag, 20.10.11, Wir trafen uns nach der Schule, bestiegen zwei Autos und machten uns auf den langen Weg Richtung Norden. Um 19:30 Uhr erreichten wir Heiligenhafen, bestiegen unser Schiff, erkundeten dieses und richteten uns ein für die Nacht.
 

Freitag, 21.10.11, nach einem Frühstück in Massenabfertigung machten wir uns und das Schiff segelfertig, überprüften Ausrüstung und Zustand und warteten dann auf die offizielle Übergabe des Schiffes. Darauf warteten wir leider bis mittags, so dass wie erst ca. 3 Std. nach den ersten Crews den Hafen verlassen und unsere Probeschläge auf dem Schiff segeln konnten. Wenden, Halsen, Anluven und Abfallen ist nun doch auf einem 12m-Schiff anders, als auf einer Jolle. Hier ist noch mehr als auf den kleinen Booten eine koordinierte Crew erforderlich, bei der jede und jeder weiß, wo die jeweilige Position ist und was dort (schnell) getan werden muss. Für die meisten von uns war klar, dass sich da noch einiges einspielen musst, wir waren zum Großteil zum ersten Mal auf einer Fahrtenyacht! Wir genossen tollen Segelwind, fuhren Wenden und Halsen, stellten erstaunt fest, wie schnell die eine oder der andere das Schiff sicher im Ruder hatte, unterwegs wurde sogar gerefft, da der Wind auffrischte. Und wir wissen nun auch, wer seekrank wird und wer nicht.
 

Samstag, 22.10.11, der Regattatag. Es sind zwei Wettfahrten in der Bucht vor Heiligenhafen und der Fehmarnbelt-Brücke angesetzt. Die Sonne scheint von stahlblauem Himmel, es weht ein Wind mit 3 - 4 Bft., also ideale Segelbedingungen. Im ersten Lauf, der zweimal um die Bahn ging, waren wir nicht bei den ersten Schiffen über die Startlinie, waren trotzdem zufrieden. Unser Schiff lief gut, auch hoch am Wind auf StB-Bug, wir konnten mithalten, ja z.T. größere Schiffe überholen. Auf der Kreuz zur Ziellinie haben wir dann viele Plätze eingebüßt. In der zweiten Runde das gleiche Bild: wir holen auf, machen Plätze gut um sie in der Kreuz zur Ziellinie wieder abzugeben.
2. Regattalauf, ein toller Start, wir segeln im ersten Drittel des Feldes, merken dann aber an den Wendetonnen, was das für uns bedeutet. Es wird eng, es wird um jeden Meter gefightet und wer glaubt, am lautesten "RAUM" brüllen zu können, baut damit seine private Vorfahrt ein. Uns erschreckt, wir verbissen, grauhaarige "Youngsters" am Ruder und solche "Jugendlichen", wo der Kopf schon durch die Haare kommt, diese Manöver segeln. Unsere 15jährigen Neulinge als Rudergänger meistern diese Situation mit Bravour. Einmal wird es jedoch eng. An einer Wendetonne, die wir in Luv liegen lassen müssen, haben wir geschätzte 12 Yachten in Luv und sechs in Lee, unser Platz wird immer enger, der Skipper zu unseren Rechten segelt verbissen, aber unberechenbar und setzt mitten in dieser Enge zu einer Wende an. Als wir die Segel auffieren, langsamer werden um durch Abfallen der Bedrohung zu entkommen, touchieren sich beide Yachten am Heck. Bruch an einer Laminatkante bei uns, verkratztes Gelcoat beim andern, glücklicherweise niemand verletzt. Die chaotische, unberechenbare Fahrweise dieses Skippers fällt uns noch weiter auf. Wir beschließen, defensiv zu segeln, um nicht wieder in diese Enge an einer Tonne zu kommen und kommen damit auch so über die Runde, dass wir gut bis zum Ziel kommen. Bei dieser Zielkreuz schlagen wir uns gut, haben ein Schiff, mit dem wir ewig um Positionen kämpften hinter uns und ein gutes Gefühl im Bauch. Eine Wende fehlt über die Ziellinie, doch die geht schief, weil die Genuaschot auf der Winsch übereinander läuft und blockiert, Fock steht back, wir drohen, das Zielschiff zu rammen, müssen abfallen, noch ne Wende, Schot geht nicht los, noch mal ausweichen, ne Halse folgt, vier bis fünf Yachten ziehen an uns vorbei ...
Es gab keinen Bruch, die Schot war dann doch zu lösen, Zieleinlauf geschafft, Positionen verschenkt, ein wenig Groll im Bauch. Doch der verflog schnell, als wir uns entschlossen, noch ein wenig, nur für den Spaß, zu segeln und diese Schläge haben wir genossen, bei tollem Segelwind und einer Herbstsonne, die wunderschöne Farben zauberte.
Am Abend dann Siegerehrung nach Currywurst mit Pommes, auf die wir gefühlte 3 Std. warten mussten. Siegerehrung in großem Rahmen, es gab viele Pokale, einige Sonderpreise unseren Beifall für die Crew des SCCR und eine Fete, die sich schnell auflöste. Wir verzogen uns in die wohlige Wärme unserer Schiffe, die unter 40 auf dem einen Schiff, die Oldies auf dem anderen.
 

Sonntag, 23.11.11, gemeinsam lecker frühstücken in einen Cafe im Städtchen, Aufräumen, Putzen innen und außen, Schiff übergeben. Das war unser Programm bis mittags. Dann noch ein kleiner Imbiss mit Fisch und Pommes und ab auf die Piste; gegen 19:00 Uhr waren wir wieder in Krefeld. Reicher um eine Plüschmöve und tollen Erlebnissen mit einer unkomplizierten Crew, einem wohnlichen Schiff und tollen Segelbedingungen. Jetzt wissen wir, wie es geht und im kommenden Jahr wollen wir doch der einen oder anderen Crew mehr unser Heck zeigen!